„Investieren Sie mehr in Ihre Betten, liebe Hoteliers!“

Das Hotelbett ist «das» elementare Basisangebot eines jeden Hotels. Zudem ist das Thema Schlafen, in Kombination mit Gesundheit, ein Megatrend. «Hotelier» unterhält sich im 2. Teil der Hotelbetten-Serie mit dem Schlafkomfortexperten Jens Rosenbaum, Herausgeber und Autor des neuen Buches «Das Hotel-Bett».

Interview Hans R. Amrein

Obwohl wichtigstes Produkt der Hotellerie – denn ohne Betten keine Gäste – wird das Hotelbett oft sehr vernachlässigt, und es werden die vorhandenen Potenziale nicht annähernd ausgeschöpft. Das ist nicht nur schade für die Gäste, sondern auch für die Hotellerie selbst, denn mit dem Hotelbett wird ja Wertschöpfung betrieben. Und wer da unter seinen Möglichkeiten bleibt, verschenkt buchstäblich Geld. Grund dafür ist meist fehlendes Wissen.

Was unterscheidet ein Hotelbett eigentlich von einem normalen Bett?
Das Hotelbett per Definition gibt es gar nicht. In der Praxis werden jedoch von den meisten Betrieben schlichte Box-Spring-Betten eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine Federkernmatratze und einen mit Sprungfedern fest bestückten Bettkasten für die Unterfederung. Im Gegensatz dazu wird vom privaten Endverbraucher bei der Ausstattung des eigenen Schlafzimmers mehrheitlich eine Matratze aus Schaum in Kombination mit einem Bettgestell und einem eingelegten, flexiblen Lattenrost bevorzugt. Beide Bettsysteme gibt es von teuer bis günstig und von gut bis schlecht.

Der Hotelier sollte mehr in Schlafkomfort und Bett investieren …
Ja, eindeutig. Das Hotelbett sollte sich von einem normalen Bett darin unterscheiden, möglichst vielen Gästen und ihren unterschiedlichen Schlafbedürfnissen gerecht zu werden. Andererseits soll das Hotelbett rasch gereinigt werden können. Wenn es einen weiteren Unterschied gibt, dann jenen, dass die privaten Verbraucher mehr und mehr dazu übergehen, in ihren Schlaf und somit in ihr Bett zu investieren.

Worauf sollte ein Hotel bei der Beschaffung von Matratzen achten?
Jedes Hotel sollte mit Blick auf das Bett drei Aspekte im Auge behalten: Anatomie, Ökologie und Ökonomie. Bezüglich der Anatomie, also der Wahl von Format und Beschaffenheit der Matratze (und der Unterfederung), kann es zunächst helfen, sich an seinen Gästen zu orientieren. Ein Blick in die Statistik gibt hinsichtlich Alter und Herkunft mitunter Aufschluss über die Struktur der Gäste hinsichtlich Körpergrösse und -­gewicht.

Eher harte oder eher weiche Matratze?
Grundsätzlich sollte die Matratze weder zu fest noch zu weich sein. Auf jeden Fall aber von guter Qualität, damit der gewünschte Härtegrad und der damit verbundene Liegekomfort auch lange erhalten bleiben. Mit einem Topper oder Unterbett sowie Veränderungen an der Unterfederung (gibt es auch motorisiert wie bei einem Autositz) könnten Betten im Bedarfsfall und im Handumdrehen weicher oder fester eingestellt werden, um den individuellen Bedürfnissen möglichst gerecht zu werden. Und bevor man neue Matratzen auf alte Unterfederungen legt, sollte man geprüft haben, ob diese vielleicht durchgelegen sind. Da die Menschen immer länger werden, sollte auch an Betten mit Übergrösse gedacht werden, mindestens also 210 cm.

Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit bei der Bettenbeschaffung im Hotel?
Hinsichtlich Ökologie halte ich es für wichtig, auf zertifizierte Produkte bezüglich Humanverträglichkeit zu achten (Öko-Tex und Allergie z. B.), wie auch auf Nachhaltigkeit, also die Recyclingfähigkeit von Produkten. Es macht einen Unterschied, ob man am Ende der Nutzungszeit Sondermüll produziert oder wertvolle Rohstoffe zurück in den Kreislauf gelangen. Und die Bedeutung dieses Aspekts wird nicht nur den Gästen immer wichtiger; es sollte in unserem eigenen Interesse sein, verantwortlich zu handeln.

Die Zimmermädchen und Hausdamen sollen Betten möglichst rasch und effizient reinigen können …
Richtig. Bei der Ökonomie sollten Qualität und die Möglichkeiten der Pflege stimmen, damit die Produkte lang genutzt werden können. Nur dann rechnen sie sich richtig. So ist auch auf die Hygiene zu achten, denn über die Jahre sind es viele Gäste, die ihre individuelle Visitenkarte im Bett hinterlassen. Da hilft auch ein Matratzenhygienebezug nur wenig. Mindestens der Matratzenbezug sollte waschbar sein und auch gewaschen werden, noch besser natürlich die ganze Matratze. So verlängert man deutlich die Nutzungszeit. Wer bei der Anschaffung alles richtig macht, wird für seine Investition über die Zeit belohnt werden.

Viele Menschen schlafen in Hotelbetten eher schlecht. Was könnte sensiblen Hotelschläfern zu einem besseren Hotelschlaf verhelfen?
In hohem Masse ist der Gast für seinen Schlaf selbst verantwortlich. Im Hotel weichen viele Menschen jedoch von ihrer gewohnten Routine ab, gehen später ins Bett oder waren noch an der Bar, haben Alkohol getrunken oder schauen im Bett noch fern, haben viel beziehungsweise anderes erlebt und sind in einer ungewohnten Umgebung. Für das Gewohnheitstier Mensch alles Faktoren, warum eine Nacht im Hotel nicht immer die beste ist. Der Hotelier hat es in seiner Verantwortung, dem Gast sprichwörtlich die optimale Grundlage für den Schlaf, ein sauberes und gutes Bett, zur Verfügung zu stellen. Ruhiges Zimmer, gute Luft, Dunkelheit und, ganz wichtig, das Gefühl von Sicherheit.

„Der Kauf von Hotelbetten sollte als Investition betrachtet werden.“

Was sind für Hotelunternehmen bei der Beschaffung von Hotelbetten die wichtigsten betriebswirtschaftlichen Stellschrauben? 
Der Kauf von Hotelbetten sollte als Investition und vor dem Hintergrund einer Vollkostenrechnung betrachtet werden. Wer bei allen Komponenten eines Bettes auf Qualität setzt und es zudem korrekt und regelmässig pflegt, wird über die Nutzungszeit eines solches Bettes damit belohnt, dass er es länger nutzen kann und seltener bis nie Probleme damit hat. Die wichtigste Stellschraube ist die richtige, weil überlegte Investition.

Wo haben Sie eigentlich Ihre schlechteste Nacht verbracht?
Mal abgesehen von der Zeit bei der deutschen Bundeswehr war das in Japan, wo ich wunderbar authentisch, aber leider völlig unbequem klassisch auf einem Futon geschlafen habe. Wer das nicht gewohnt und zudem von anderer Körperstatur und anderem Körpergewicht ist wie sonst in Japan üblich, braucht schon ordentlich Sake, damit die Zeit bis zum Morgen überbrückt werden kann.

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